Beiträge über Ranor und das Autorenleben
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Sekjans Geheimnis
Charakterminute:
Sekjan dreht einen gold-verzierten Füllfederhalter in seiner Hand. Sanft schimmert er im spärlichen Licht von draußen. Matt und kläglich im Vergleich dessen, wie er ihn in der Menschenwelt aus dem Müll heraus angefunkelt, ja beinahe geblendet hat.
Der kleine Gegenstand erinnert ihn an seine Heimat. Ein Relikt aus einer anderen Zeit, genauso wie er.
In einem unbeobachteten Moment hat er ihn eingesteckt und mit nach Ranor genommen – sich über das Verbot dieser Handlung vollkommen im Klaren und über seine Nichtigkeit. Denn auch dieses Artefakt würde sich auflösen. Möglicherweise hat es in seiner innersten Struktur bereits begonnen.
Ein lautes Klopfen an der Zimmertür reißt ihn jäh aus den Gedanken. Von draußen wird mit tiefer ernster Stimme gerufen: „Master! Der Rat will dich sehen.“
Knarrend öffnet Sekjan den Deckel der Truhe zum Fußende seines Bettes und legt den Gegenstand zu den anderen. Zwischen einer kaputten Uhr und einer Ansichtskarte wurde kürzlich Platz.
Dann erhebt er sich, lässt seine Vergangenheit zurück und stellt sich der Gegenwart. -

Plot Bunnies
Ob in der U-Bahn, beim Arbeiten oder Schreiben eines Projektes – sie sind überall und können jederzeit zuschlagen! Vertrau nicht ihrem unschuldigen Blick, denn haben ihre scharfen Zähne erstmal in deine Hände geschlagen, hoppeln sie nicht mehr weg – Plot Bunnies.
Ein Plot Bunny ist eine Idee für eine neue Geschichte, die dich ohne Vorwarnung anspringt. Doch was tun mit dem Hasen?
🐰 Freundlich zurück ins wilde Grün setzen und sich wieder auf das ursprüngliche Projekt konzentrieren?
🐰 Ihn eine Runde auf der Tastatur drehen lassen und hoffen, dass ihm das Spielerei genug war?
🐰 Oder aufnehmen, hegen und pflegen, sodass aus ihm ein eigener großer starker Hase wird, wie einst das ursprüngliche Projekt?
In meinem Fall fordern mich die Hasen nur einmal auf, ihnen ins Wunderland zu folgen. Wenn ich den Hasen von der Tastatur setze, ist es das mit dem Schreibfluss meist gewesen. Lasse ich ihn jedoch auf der Tastatur spielen, gehört sie von da an ihm allein.
Ihm Karotten hinzuwerfen, um ihn abzulenken, funktioniert auch nur für kurze Zeit. Dann liebäugelt er mich wieder an. -

„Kein Wind…“
„Kein Wind“, stellte er nachdenklich fest und kraulte sich den, mehr grau als dunkelbraunen, Vollbart. „Was heißt das?“, hakte ich nach. „Es ist so eine Sache mit dem Wetter in Ranor. Wahrscheinlich hast du es schon bemerkt. Wir haben kaum Wetter und wenn wir Wetter haben, spielt es verrückt.“
Giovanni machte eine Pause, schüttelte den Kopf und fuhr sich mit der flachen Hand über die Glatze. „Ich weiß nicht, wie das Wetter in Ranor entsteht, aber es bedeutet immer etwas, wenn sich die Bedingungen ändern. Manche halten mich deshalb für verrückt, aber ich bin fest überzeugt: es ist Ranor selbst, wie ein lebender Organismus, der atmet. Meist ist es nämlich nicht ganz windstill, sondern es gibt einen sanften Luftzug, der kaum die Blätter bewegt. Anders als jetzt. Es scheint so, als würde Ranor die Luft anhalten.“ Er blies wieder Pfeifenrauch aus, der in der Luft stehen blieb.
~ Giovanni kannte schon den Urgroßvater des jetzigen Königs persönlich. Er ist ein frohmütiger, ruhiger Geselle mit dem Kopf voller Geschichten.
Komm nach Ranor und tauche mit ihm ein in die Faszination dieser Welt. -

In Gwynas Haut
Wörter lösen sich geisterhaft vom Bildschirm und tänzeln durch den Raum. Strudeln immer schneller um mich und hüllen mich in ihren undurchsichtigen Brei. Ein heller Schein drängt sie hinfort und Simsalabim befördert mich eine Challenge nach Ranor. Lockiges, rotes Haar hängt mir ins Gesicht und irgendwie ist der Boden näher als sonst.
Welche Rolle würde ich in einem Fantasybuch einnehmen?
Die Frage erübrigt sich. Ich stecke in Gwynas Haut. Der Haut einer wahren Freundin. Das wäre meine Rolle. So jemand möchte ich sein. Immer ein offenes Ohr und einen weisen Rat. Gleichzeitig für Blödsinn zu haben und voller verborgener Talente.
Das wohl hervorstechendste Talent von Gwyna ist die HeilerInnengabe, Trankherstellung und Naturheilkunde. Tätigkeiten, zu denen ich mich ebenso verbunden fühle.
Grundsätzlich besitzen die meisten Ranori die Fähigkeit zu heilen. Doch nur wenige haben die Gabe, es so zu tun, dass deine Nase zum Schluss nicht an deinem Hinterteil sitzt. -

Sanricks Ruinen
Nacht in Ranor. Patrouillen marschieren von der Burg ihres Herrschers bis ins zerstörte Sanrick. Sie kommen, um ihre neue Front zu verteidigen und werden nicht zulassen, dass ein Bewohner des Grenzlandes jemals wieder in der Stadt Fuß fasst.
Doch sie sind nicht allein. Schatten huschen durch die Ruinen der einst geschäftigen, heimeligen Stadt. Werfen wachsame Augen auf die Zerstörer. Jeder Schritt will mit Bedacht gesetzt sein und die Köpfe verborgen. Äußerste Vorsicht ist geboten! Denn die Patrouille wird aus anderen Wesen gebildet, als sie es sind. Wesen mit anderen Fähigkeiten. Unter anderem jener, in der Dunkelheit sehen zu können, wie bei Tag. -

Total High?
Sofort, als ich ihn kennenlernte, verliebte ich mich in den Begriff „High-Fantasy“. „Genau das ist Ranor!“, verkündete ich damals stolz.
Heute bin ich mir da gar nicht mehr so sicher.
Ranor existiert als eigene Welt mit anderen Wesen, sowie Flora und Fauna, als in der irdischen. Diese und die Welt, in der wir Leser leben, stehen jedoch in einem starken Abhängigkeitsverhältnis und sind deshalb untrennbar miteinander verbunden.
Auch Personenverkehr zwischen den Welten findet ständig statt. Weshalb sich der, mit den Personen mitbewegende Plot, ebenso zwischen den Welten hin und her bewegt.
Stellt sich nun die Frage: Habe ich deshalb eine Urban-Fantasy Geschichte geschaffen? In Kapiteln, die in der Menschenwelt spielen, ist es ein definitives Ja. Doch landen wir im nächsten Kapitel wieder in Ranor und reduziert sich die Menschenwelt auf einen seltenen Begriff, ist es wohl wieder High-Fantasy. … ?
Was meinst du zu meinem Dilemma? In welches Sub-Genre würdest du Ranor stecken? Oder braucht nicht alles immer eine Schublade?
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